Markenbotschafter im Hungerloch

5 Mar

10  Facebook

Liebe Zeitungen und Zeitschriften, bitte verwendet nicht immer das Wort „Fans“, wenn Ihr über Leute sprecht, die auf Facebook irgendwas „geliket“ haben. „Tausend Millionen Fans hat die Marke XY bei Facebook“, heißt es da immer großkotzig. Aber sorry, das sind keine „Fans“ im Sinne von „fanatisch“, sondern einfach nur Leute, die auf „gefällt mir“ geklickt haben.

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Contenance, meine Damen und Herren!

3 Mar
File London Underground Sign Night.jpg   Wikimedia Commons

U-Bahn-Haltestelle in England: Contenance ist auf der ganzen Welt gefragt

Manchmal sitze ich mit einem Freund stundenlang unten in einer U-Bahn-Station. Wir sehen die Züge ein- und weiterfahren. Dann träumen wir davon, wie es wäre, einfach einzusteigen und alles hinter uns zu lassen. U-Bahnen erzeugen immer so ein Fernweh: Seckbach, Enkheim, Nordweststadt – schon in einer Viertelstunde könnte man in einem ganz anderen Frankfurter Stadtteil sein und dort neu anfangen. Spinnereien, klar.

Neulich saßen wir da wieder so an der Haltestelle „Festhalle/Messe“, da kam wie von der Tarantel gestochen ein junger Mann die Rolltreppe heruntergelaufen. Er stieß Nebeneinander-Steher weg, um schneller voranzukommen. Unten spurtete er die letzten Meter, um noch eine U-Bahn zu erreichen, deren Türen sich aber jetzt schon geschlossen hatten. Verzweifelt presste er den Daumen auf den grünen „Öffnen“-Button, aber zu spät. Wie in Rage trommelte er jetzt gegen die Tür und schrie etwas Unverständliches. Jetzt fuhr die Bahn an. Der Mann lief noch einige Meter mit und hämmerte wütend gegen die Scheiben, innen zuckten die Köpfe der Fahrgäste erschrocken zurück. Nach vorn, wo er den rücksichtslosen, kleingeistig seinen Zeitplan verfolgenden U-Bahn-Fahrer vermutete, stieß er noch den Stinkefinger, dann war die Bahn weg. Der Mann sank auf die Knie und schlug mit beiden Handflächen immer wieder auf den Boden. Weiterlesen 

Yoko Ono: Stumpf ist Trumpf, Fluxus ist Luxus!

28 Feb
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John und Yoko O(h)n(o)e: Die Phantasie muss hier mal reichen

„Und? Warst Du schon in der Yoko-Ono-Ausstellung?“ Mit der Frage nerve ich zurzeit meine Peers. Die Betonung liegt dabei auf SCHON, so als ob es nur eine Frage des Zeitpunkts wäre, dass man da reingeht. „Nö, hab ich noch nicht geschafft“, heißt es dann verlogen, aber dreimal im neuen Primark einkaufen, alle Ryanair-Südfrankreich-Bilder auf Facebook und „Stirb langsam 5“, das hat man natürlich „geschafft“ – komm, erzähl mir nichts vom Pferd. Weiterlesen 

Gestützt gegen Neuro-Folter

15 Feb

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Ich strolche ja gern in der Mittagspause ein bisschen durchs Frankfurter Westend, um zu sehen, was in meinem Kiez so abgeht. Dann lasse ich mich treiben, scanne die Welt, lerne neue Dinge kennen. Als Flaneur, so wie der Schriftsteller Wilhelm Genazino, den ich schon mal im Rewe gesehen habe. In Wirklichkeit war nämlich gar nicht das „Gymmi“, wie wir damals das Gymnasium nannten, mein Lehrmeister. Auch nicht später der teure Elitestudiengang an der EBS in Oestrich-Winkel. Mein Lehrer, das war die Straße. Kein Scheiß. Ich bin streetwise, wie man drüben im Big Apple sagt. Weiterlesen 

Der Sommer der Sobald-es-geht-Sonnenbrillen-Träger

13 Jul

Gerade jetzt, wo die Sonne dauerhaft nicht scheint, fallen sie besonders auf, diese Leute, die sofort eine Sonnenbrille aufsetzen, wenn es auch nur die kleinste Berechtigung dazu gibt – etwa die vage Ankündigung im Wetterbericht, die Sonne könne hier und da kurz hervorkommen oder die Tatsache, dass es vor fünf Stunden „recht hell“ aussah. Stellt man die Sobald-es-geht-Sonnenbrillen-Träger über die Gründe der freiwilligen Sehbeeinträchtigung zur Rede, lügen sie einem kackfrech ins Gesicht: „Ich habe ja SOOO empfindliche Augen“, heißt es dann von stämmigen Kerlen, die Ähnliches niemals freiwillig über ihre Leber zugeben würden. Weiterlesen 

Schluss mit der Tipp-Pest!

26 Jun

Ich habe jetzt hier lange geschwiegen, aber das hier muss mal gesagt werden (dürfen): Die Frage  “Und? Was tippste Donnerstag?” will ich nicht mehr hören, okay? Genau aus drei Gründen. Erstens: Diese herleitungslose Fragestellung ist in höchstem Maße respektlos, weil sie kackfrech so eine unausgesprochene Selbstverständlichkeit voraussetzt, dass ich natürlich weiß, was da läuft am Donnerstag, dass mich das interessiert, dass ich da eine Meinung dazu habe, die ich dem über die EM plötzlich kumpanenhaft mit mir verbundenen Gesprächspartner natürlich sofort darlegen will. Richtig wäre die folgende Fragestellung: „Zurzeit läuft ja die Fußball-Europameisterschaft, ein turnusmäßig ausgetragenes Messen der europäischen Fußballnationen, bei dem Deutschland nun auf Italien trifft. Dein Interesse vorausgesetzt, hast Du eine Einschätzung, wie das Spiel enden könnte? Magst Du sie verraten?“ Weiterlesen 

Da ist sie wieder, die Fitness-Studio-Frage

15 Feb

Gehe ich heute Mittag ins Fitness-Studio oder nicht? Laut Trainingsplan bin ich schon einen Tag überfällig. Andererseits: Man soll den Muskeln auch zwischendurch ausreichend Zeit zum Aufbau geben. Relax, don’t do it! Und nicht mit Muskelkater hingehen! Habe ich aber auch nicht, leider. Also heute Mittag, oder spätestens morgen Mittag, je nachdem. Je nach was? Weiß nicht, die innere Uhr, man soll ja nicht gegen den inneren Rhythmus verstoßen. Vielleicht mache ich auch einfach zu Hause ein paar Übungen. Könnte man sowieso mehr oder weniger auch alles zu Hause machen, macht man dann aber nicht, ich weiß. Weiterlesen 

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