8 Tipps: Wie man richtig vom Urlaub erzählt

Nachdem alle da waren, war ich dann auch irgendwann in der Wüste
Ich in der Wüste (nachdem alle anderen auch schon da waren)

„Und? Schon Urlaubspläne?“, heißt es in diesen Wochen wieder oft, wenn einem die Gesprächsthemen ausgehen. Alle sind sie ja jetzt am planen, längst sind die Wochen mit den Brückentagen von den Kollegen geblockt, die mental ständig im nächsten Urlaub sind, Expedia gebookmarkt, logisch. Wenn man sie nach dem nächsten Reiseziel fragt, hofft man eigentlich auf eine knappe, stichwortartige Info, just the facts: Wohin, wie lange, wie viel? Aber nein, immer wieder texten sie einen dann doch zu. Ihr Gesichtsausdruck, ansonsten im langjährigen Arbeitsprozess stumpf und ausdruckslos geworden, hellt sich auf, wenn sie an die Wochen in den fernen Ländern denken, die sie natürlich „dringend brauchen“ bei all dem brutalen Stress auf der Arbeit. Weiterlesen

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Ein Schlag ins Gesicht des Brutalismus

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Der „Turm“: Sonntag ist Ende Gelände

Übermorgen wird ja hier der AfE-Turm abgerissen, der „Turm“, wie wir Insider ihn nennen. So lange gehörte er zur Frankfurter Uni, und jetzt soll er einfach weg, Schluss, aus, finito. Der „Turm“ ist 116 Meter hoch und damit das höchste Gebäude, das in Europa jemals gesprengt wurde, wie die Süddeutsche rausgekriegt hat. Weiterlesen

Abi 84 – und dann ganz nach oben

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Mariengymnasium Werl: Hier hat die „Abiturientia 84“ ihr Unwesen getrieben

„Hey, du hast ja 30 Jahre Abi dieses Jahr“, fiel kürzlich einer Bekannten siedend heiß ein. „Gratulation, das wird ja bestimmt fett gefeiert, oder?“ „Ach so, ja guck mal, ist das schon 30 Jahre her“, antwortete ich möglichst beiläufig. Man wird ja gar nicht mehr gern an sowas erinnert, wenn man auf die 50 („Hälfte des Lebens“) zugeht. Aber einige, speziell deutlich Jüngere, können so richtig dranbleiben mit der Nerverei. In aller Öffentlichkeit machen sie wiederholt auf nahende runde Geburtstage aufmerksam, zeigen mit dem Finger auf die verschämt den Blick senkenden End-30er-, -40er oder -50er und garnieren ihre schadenfreudige Bloßstellung mit dem zynischen Satz vom „Wein, der mit den Jahren immer besser“ werde. Selbst Jahrestage, die einem selbst gar nicht bewusst sind, finden sie und schlachten sie aus: „Hast du dieses Jahr nicht 35-jähriges Raucher-Jubiläum? DAFÜR siehst du wirklich noch gut aus. Nee, wirklich.“ Weiterlesen

Trouble im Skyline Plaza

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Inspiration fürs Skyline Plaza: ein Soukh in Marrakesch

Mittags gehe ich oft zum Essen ins neue Einkaufszentrum Skyline Plaza hier bei mir um die Ecke. Das ist immer so ein kleines Highlight des Arbeitstages, wenn es wieder heißt: M4 im Thai-Restaurant Bao Anh Deluxe für nur 5,50 Euro! Mit scharfer roter Soße natürlich, besser kriegst Du M4 auf der ganzen Welt nicht. Die kennen mich da schon, muss gar nicht mehr groß sagen, was ich will. Da sitze ich dann so in dem stylishen, hellen und sauberen Restaurant, genieße und überlege dabei, was ich denn nachher noch Schönes bei Rewe City gegenüber einkaufe. Weiterlesen

Hilfe, ich hab mich erkältet!

Volle Metro in irgendeinem Land: Hier fängt man sich ganz schnell was
Volle Metro in irgendeinem Land: Hier fängt man sich ganz schnell was

Ein neues Jahr. Ob ich denn „gut reingekommen sei“, fragen meine Peers. Klar, sage ich, alles bestens, läuft. Schön gefeiert, und jetzt schon wieder voll busy, viel zu tun, aber macht wahnsinnig Spaß. Doch leider ist das schönfärberische Gerede nichts als Fassade! Ich bin nämlich schon seit einigen Tagen ziemlich erkältet. Ja, ist wahr: „I’ve caught a cold“, wie der Brite sagt. Schon Mitte Dezember kam da was angeflogen, aber Weihnachten hatte ich es zunächst weg. DACHTE ICH! Aber am Silvesterabend ging es wieder los: Der Hals wurde rau, die Nase juckte, auch die Ohren waren ein bisschen zu. Erst fiel es mir nicht so auf, man trinkt und trinkt und hottet ab und merkt nix. Aber am anderen Morgen kam das böse Erwachen: Der Hals kratzte jetzt so richtig! Wie ein Häufchen Elend saß ich am Frühstückstisch, Schal um, kaum Appetit auf das knusprige Roggentoast und den leckeren Bresso-Streichkäse von Rewe. Weiterlesen

Contenance, meine Damen und Herren!

File London Underground Sign Night.jpg   Wikimedia Commons
U-Bahn-Haltestelle in England: Contenance ist auf der ganzen Welt gefragt

Manchmal sitze ich mit einem Freund stundenlang unten in einer U-Bahn-Station. Wir sehen die Züge ein- und weiterfahren. Dann träumen wir davon, wie es wäre, einfach einzusteigen und alles hinter uns zu lassen. U-Bahnen erzeugen immer so ein Fernweh: Seckbach, Enkheim, Nordweststadt – schon in einer Viertelstunde könnte man in einem ganz anderen Frankfurter Stadtteil sein und dort neu anfangen. Spinnereien, klar.

Neulich saßen wir da wieder so an der Haltestelle „Festhalle/Messe“, da kam wie von der Tarantel gestochen ein junger Mann die Rolltreppe heruntergelaufen. Er stieß Nebeneinander-Steher weg, um schneller voranzukommen. Unten spurtete er die letzten Meter, um noch eine U-Bahn zu erreichen, deren Türen sich aber jetzt schon geschlossen hatten. Verzweifelt presste er den Daumen auf den grünen „Öffnen“-Button, aber zu spät. Wie in Rage trommelte er jetzt gegen die Tür und schrie etwas Unverständliches. Jetzt fuhr die Bahn an. Der Mann lief noch einige Meter mit und hämmerte wütend gegen die Scheiben, innen zuckten die Köpfe der Fahrgäste erschrocken zurück. Nach vorn, wo er den rücksichtslosen, kleingeistig seinen Zeitplan verfolgenden U-Bahn-Fahrer vermutete, stieß er noch den Stinkefinger, dann war die Bahn weg. Der Mann sank auf die Knie und schlug mit beiden Handflächen immer wieder auf den Boden. Weiterlesen

Yoko Ono: Stumpf ist Trumpf, Fluxus ist Luxus!

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John und Yoko O(h)n(o)e: Die Phantasie muss hier mal reichen

„Und? Warst Du schon in der Yoko-Ono-Ausstellung?“ Mit der Frage nerve ich zurzeit meine Peers. Die Betonung liegt dabei auf SCHON, so als ob es nur eine Frage des Zeitpunkts wäre, dass man da reingeht. „Nö, hab ich noch nicht geschafft“, heißt es dann verlogen, aber dreimal im neuen Primark einkaufen, alle Ryanair-Südfrankreich-Bilder auf Facebook und „Stirb langsam 5“, das hat man natürlich „geschafft“ – komm, erzähl mir nichts vom Pferd. Weiterlesen

Gestützt gegen Neuro-Folter

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Ich strolche ja gern in der Mittagspause ein bisschen durchs Frankfurter Westend, um zu sehen, was in meinem Kiez so abgeht. Dann lasse ich mich treiben, scanne die Welt, lerne neue Dinge kennen. Als Flaneur, so wie der Schriftsteller Wilhelm Genazino, den ich schon mal im Rewe gesehen habe. In Wirklichkeit war nämlich gar nicht das „Gymmi“, wie wir damals das Gymnasium nannten, mein Lehrmeister. Auch nicht später der teure Elitestudiengang an der EBS in Oestrich-Winkel. Mein Lehrer, das war die Straße. Kein Scheiß. Ich bin streetwise, wie man drüben im Big Apple sagt. Weiterlesen

Der Sommer der Sobald-es-geht-Sonnenbrillen-Träger

Gerade jetzt, wo die Sonne dauerhaft nicht scheint, fallen sie besonders auf, diese Leute, die sofort eine Sonnenbrille aufsetzen, wenn es auch nur die kleinste Berechtigung dazu gibt – etwa die vage Ankündigung im Wetterbericht, die Sonne könne hier und da kurz hervorkommen oder die Tatsache, dass es vor fünf Stunden „recht hell“ aussah. Stellt man die Sobald-es-geht-Sonnenbrillen-Träger über die Gründe der freiwilligen Sehbeeinträchtigung zur Rede, lügen sie einem kackfrech ins Gesicht: „Ich habe ja SOOO empfindliche Augen“, heißt es dann von stämmigen Kerlen, die Ähnliches niemals freiwillig über ihre Leber zugeben würden. Weiterlesen

Schluss mit der Tipp-Pest!

Ich habe jetzt hier lange geschwiegen, aber das hier muss mal gesagt werden (dürfen): Die Frage  „Und? Was tippste Donnerstag?“ will ich nicht mehr hören, okay? Genau aus drei Gründen. Erstens: Diese herleitungslose Fragestellung ist in höchstem Maße respektlos, weil sie kackfrech so eine unausgesprochene Selbstverständlichkeit voraussetzt, dass ich natürlich weiß, was da läuft am Donnerstag, dass mich das interessiert, dass ich da eine Meinung dazu habe, die ich dem über die EM plötzlich kumpanenhaft mit mir verbundenen Gesprächspartner natürlich sofort darlegen will. Richtig wäre die folgende Fragestellung: „Zurzeit läuft ja die Fußball-Europameisterschaft, ein turnusmäßig ausgetragenes Messen der europäischen Fußballnationen, bei dem Deutschland nun auf Italien trifft. Dein Interesse vorausgesetzt, hast Du eine Einschätzung, wie das Spiel enden könnte? Magst Du sie verraten?“ Weiterlesen