Contenance, meine Damen und Herren!

File London Underground Sign Night.jpg   Wikimedia Commons
U-Bahn-Haltestelle in England: Contenance ist auf der ganzen Welt gefragt

Manchmal sitze ich mit einem Freund stundenlang unten in einer U-Bahn-Station. Wir sehen die Züge ein- und weiterfahren. Dann träumen wir davon, wie es wäre, einfach einzusteigen und alles hinter uns zu lassen. U-Bahnen erzeugen immer so ein Fernweh: Seckbach, Enkheim, Nordweststadt – schon in einer Viertelstunde könnte man in einem ganz anderen Frankfurter Stadtteil sein und dort neu anfangen. Spinnereien, klar.

Neulich saßen wir da wieder so an der Haltestelle „Festhalle/Messe“, da kam wie von der Tarantel gestochen ein junger Mann die Rolltreppe heruntergelaufen. Er stieß Nebeneinander-Steher weg, um schneller voranzukommen. Unten spurtete er die letzten Meter, um noch eine U-Bahn zu erreichen, deren Türen sich aber jetzt schon geschlossen hatten. Verzweifelt presste er den Daumen auf den grünen „Öffnen“-Button, aber zu spät. Wie in Rage trommelte er jetzt gegen die Tür und schrie etwas Unverständliches. Jetzt fuhr die Bahn an. Der Mann lief noch einige Meter mit und hämmerte wütend gegen die Scheiben, innen zuckten die Köpfe der Fahrgäste erschrocken zurück. Nach vorn, wo er den rücksichtslosen, kleingeistig seinen Zeitplan verfolgenden U-Bahn-Fahrer vermutete, stieß er noch den Stinkefinger, dann war die Bahn weg. Der Mann sank auf die Knie und schlug mit beiden Handflächen immer wieder auf den Boden. Weiterlesen

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