Hilfe, ich hab mich erkältet!

Volle Metro in irgendeinem Land: Hier fängt man sich ganz schnell was
Volle Metro in irgendeinem Land: Hier fängt man sich ganz schnell was

Ein neues Jahr. Ob ich denn „gut reingekommen sei“, fragen meine Peers. Klar, sage ich, alles bestens, läuft. Schön gefeiert, und jetzt schon wieder voll busy, viel zu tun, aber macht wahnsinnig Spaß. Doch leider ist das schönfärberische Gerede nichts als Fassade! Ich bin nämlich schon seit einigen Tagen ziemlich erkältet. Ja, ist wahr: „I’ve caught a cold“, wie der Brite sagt. Schon Mitte Dezember kam da was angeflogen, aber Weihnachten hatte ich es zunächst weg. DACHTE ICH! Aber am Silvesterabend ging es wieder los: Der Hals wurde rau, die Nase juckte, auch die Ohren waren ein bisschen zu. Erst fiel es mir nicht so auf, man trinkt und trinkt und hottet ab und merkt nix. Aber am anderen Morgen kam das böse Erwachen: Der Hals kratzte jetzt so richtig! Wie ein Häufchen Elend saß ich am Frühstückstisch, Schal um, kaum Appetit auf das knusprige Roggentoast und den leckeren Bresso-Streichkäse von Rewe.

„Na, du machst ja Sachen“, sagte meine Frau mitleidig, während sie einen Orangen-Ingwer-Tee aufgoss. „Gestern noch heidewitzka abgefeiert, als wenn nichts wäre, und jetzt sowas.“ Tja, so gehe das, erwiderte ich matt, und da mache man auch nichts dran.

Dann das gewohnte Rätselraten, wo ich mir das gefangen haben könnte. Kinder? Voll besetzte U-Bahn? Oder die ewige Umarmerei, Küsschen hier, Küsschen da? Manchmal sitze ich allerdings auch schon morgens früh vor dem Computer, während die Heizung erst langsam hochfährt – das ist dann recht kalt. Zudem ist bekanntlich das Immunsystem geschwächt, wenn man Stress hat (also bei mir ziemlich oft, dafür stimmt die Kohle dann aber). Ist aber eigentlich auch egal – ich hab’s jetzt, und damit muss ich klarkommen.

Der Hals kratzt heute, am Sonntag den 5. Januar, immer noch. Aber weil kein Husten oder Schnupfen ausgebrochen ist (bislang, toitoitoi!) kann ich regulär arbeiten. Es fehlt allerdings ein bisschen der Schwung. Ich blicke matt auf die Welt, und sie blickt matt zurück. Alles, worauf ich mich nach den ruhigen Tagen schon so gefreut hatte – wieder viel Herum-Mailen und Posten, Chips und Flips statt Weihnachtsplätzchen, die längeren Tage – all das erscheint mir nun schal und leer. Aber gut, man muss Geduld haben. Eine Erkältung, die kommt drei Tage, bleibt drei Tage und geht drei Tage. Und man muss sich richtig verhalten. Ganz, ganz wichtig ist es, ein paar Tage wohl oder übel aufs Fitness-Studio zu verzichten. Das muss mal gehen.

Tja, so ist das. Da sagt einer „ja, alles gut bei mir“, und in Wirklichkeit ist gar nichts gut, niente. Aber man will den Leuten ja auch nicht groß kommen damit. Vielleicht haben die ja auch etwas, das sie nicht an die große Glocke hängen – ich sag immer: Man guckt den Menschen nur VOR den Kopf.

Das Erzählen vom Erkältetsein ist für viele auch… ja, man kann sagen: LANGWEILIG. Wenn man einen Schnupfen meldet, fragt kaum mal jemand: „Beide Löcher zu? Kannst du schnüten, oder sitzt alles fest?“ Interessiert so genau gar nicht. Das Leid der anderen ist im eigenen Leben meist nicht mehr als eine Fußnote. Es führt auch in der Unterhaltung auf ein totes Gleis, wenn man von einer Erkältung berichtet. „Jaja, hört man jetzt viel“, wird müde kommentiert, oder „Ich hab ja Glück dieses Jahr.“ Und dann muss dringend ein neues Thema her. Ich würde den Satz „Ich bin erkältet“ daher als „Dead-End“-Satz bezeichnen.

(Wer’s nicht weiß: „Dead-End“-Sätze sind Sätze, zu denen einem nicht mehr als ein „So what?“-Achselzucken einfällt. Gern gehört zum Beispiel: „Ach so, heute ist Mittwoch, komisch, mir kommt’s den ganzen Tag so vor, als sei schon Donnerstag.“ Oder: „Ich habe heute einen in der Stadt gesehen, der sah aus wie der Zetsche, war er aber nicht.“ Von da aus geht es nicht mehr weiter, es sei denn, man betritt bewusst das Feld der totalen Sinnlosigkeit: „Also mir kommt’s durchaus so vor wie Mittwoch, ist es ja auch.“ Oder: „Echt, wie Zetsche? Hast du’s gut, so einen habe ich noch nie gesehen.“)

Kennen Sie übrigens Immanuel Kant? Philosoph von früher, der superdiszipliniert war. Hat bei Schnupfen nie zugelassen, dass auch nur ein Nasloch zusaß. Stattdessen hat er das jeweils andere Nasloch zugehalten und so lange gewaltsam die Luft durch das betroffene Nasloch eingezogen, bis es wieder komplett frei war. Ist in puncto Erkältung wirklich mein Vorbild, der Kant. Und auch so.

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