8 Tipps: Wie man richtig vom Urlaub erzählt

Nachdem alle da waren, war ich dann auch irgendwann in der Wüste
Ich in der Wüste (nachdem alle anderen auch schon da waren)

„Und? Schon Urlaubspläne?“, heißt es in diesen Wochen wieder oft, wenn einem die Gesprächsthemen ausgehen. Alle sind sie ja jetzt am planen, längst sind die Wochen mit den Brückentagen von den Kollegen geblockt, die mental ständig im nächsten Urlaub sind, Expedia gebookmarkt, logisch. Wenn man sie nach dem nächsten Reiseziel fragt, hofft man eigentlich auf eine knappe, stichwortartige Info, just the facts: Wohin, wie lange, wie viel? Aber nein, immer wieder texten sie einen dann doch zu. Ihr Gesichtsausdruck, ansonsten im langjährigen Arbeitsprozess stumpf und ausdruckslos geworden, hellt sich auf, wenn sie an die Wochen in den fernen Ländern denken, die sie natürlich „dringend brauchen“ bei all dem brutalen Stress auf der Arbeit.

Und dann kommen sie von Hölzchen auf Stöckschen: Von wo, welcher „Flieger“, welches Hotel, und dass sie da ja schon mal waren und wie klasse das war, lirum larum. Natürlich haben sie einen „Superpreis“ gekriegt, weil sie ja so clever sind und auch so früh dran waren bei der Buchung vor zwei Jahren. Ich will hier keinem zu nahe treten, aber komisch: Alle haben immer einen mehr oder weniger kostenlosen Flug und eine total schöne, intime Villa in Ligurien oder wo, die für sie allein freigehalten wurde. Keiner gibt zu, dass man ihn abgezogen hat. Das ist dasselbe wie beim Thema Wohnen: Überall liest man von hohen Mieten in den Großstädten, aber persönlich kennt man nur Leute, die angeblich „totales Glück“ gehabt haben mit ihrer Wohnung. Zugeben, zu viel zu zahlen – eines der letzten Tabus unserer Gesellschaft.

Worauf will ich hier eigentlich hinaus? Das Problem ist ja, dass kaum noch ein Reiseziel so exotisch ist, dass man neugierig auf Erzählungen ist, Krisengebiete jetzt mal außen vor. Alle sind schon überall gewesen, die Vermessung der Welt, um eine Formulierung des Schriftstellers Daniel Kehlmann zu gebrauchen, sie ist abgeschlossen. Albanien? Lass stecken, kenne ich wie meine Westentasche. Grönland? Finde ich überlaufen. Bhutan? Da waren meine Eltern neulich. „Reise dich interessant“, hieß mal der Slogan von Expedia. Heißt er aber jetzt nicht mehr, weil es ja nicht geht. Wir hatten mal Bekannte, die sich erstaunlich bedeckt hielten, was die Ankündigungen von Urlauben anging. Als wir auf einer Erklärung bestanden, rückten sie damit raus, dass sie es hassen, wenn man ihnen Urlaube „nachmacht“. Sie wollten wenigstens in ihrem Bekanntenkreis „First Mover“ sein und mit exklusiven Geschichten, Fotos und Posts glänzen. Wir haben zu diesen Leuten mittlerweile keinen Kontakt mehr (aus anderen Gründen, kann ich jetzt hier nicht alles erklären). Ich tippe aber, dass sie sich mittlerweile nicht mehr so anstellen.

Trotzdem kann man mit Reiseerzählungen gut oder schlecht dastehen. Weil es nicht auf das „Wohin“, sondern das „Wie“ ankommt. Cool vom Urlaub erzählen – hier die wichtigsten Regeln:

1. Das Wort „Urlaub“ vermeiden

„Ich mache keinen Urlaub, ich reise“, schnaubte mich mal ein Kollege an, als ich ihn nach seinen Urlaubsplänen fragte. Stimmt, hört sich auch besser an. Reisen hört sich ergebnisoffener, spontaner an, nicht so nach „zwei Wochen in Anlage XY mit all-you-can-eat“. Oder: „Wir waren dort unterwegs.“ Noch besser: Wenn man länger als drei Wochen irgendwo war, kann man sagen, man habe dort „eine Zeitlang gelebt“.

2. Ständig Zwischenfragen stellen

Nicht einfach monologisieren, sondern zwischendurch fragen: „Weißt du, wie die Peruaner diesen besonders süßen Honig nennen?“ oder „Ich weiß nicht, ob du schon mal nachts im Süden von Sofia eine Tankstelle gesucht hast.“ Immer müssen die armen Zuhörer nein sagen, geraten dadurch in die Defensive, fühlen sich uninformiert und verpflichtet, nachzufragen. Das berechtigt den Erzählenden zur Ausführlichkeit.

3. Immer „Freunde“ besucht haben

Übernachtet hat man, wenn irgendwie plausibel, nicht in einem anonymen Hotel, sondern bei „Freunden“, die man ja überall auf der Welt hat. Wirkt weltläufig. Und keine Scheu: Ist nicht bereits ein Pensionsbetreiber oder ein Airbnb-Typ in gewisser Weise schon ein Freund? Immerhin hat er einen ja schon in der Bestätigungsmail zur Buchung geduzt („you“).

4. Keine Vorbuchungen zugeben

Nachdem man im fernen Land eingetroffen ist, hat man alles spontan gemacht. „Wir dann mit unseren Rucksäcken los…“ (während unsere Koffer mit dem Jeep zum nächsten Hotel gefahren wurden). Planung ist für Spießer.

5. Man ist gottseidank keinen Deutschen begegnet

Was die Leute, denen wir begegnet sind, dann leider nicht mehr sagen konnten. Noch konsequenter: Es waren überhaupt keine „Touristen“ dort. Weil man da, wo wir waren, ja keinen „Urlaub“ macht, logisch.

6. Die Leute da waren alle total nett und aufgeschlossen

Pflichtangabe. Wenn es anders ist, zeugt das nur von unserer Unfähigkeit, uns kommunikativ und weltläufig zu benehmen. Dann heißt es schnell: „Echt? Überfallen worden? Uns haben sie sofort nach Hause eingeladen. Naja, ist eben auch eine Frage, wie man da auftritt.“

7. Das Essen war ganz anders, als man es hier vom Thai kennt

Weil man ja nicht im Touri-Hotel, sondern in den Garküchen gegessen hat. Jedenfalls vor dem Durchfall.

8. Alles war supergünstig

Siehe oben. Teuren Urlaub darf man nur zugeben, wenn man ihn mit einer snobistischen, weltläufigen, hedonistischen Haltung verbindet („was soll der Geiz, das ist Vegas, Mann“).

Damit müsstet Ihr ganz gut klar kommen.

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2 Gedanken zu “8 Tipps: Wie man richtig vom Urlaub erzählt

  1. Roland 5. Januar 2015 / 10:40

    Da steckt ja ordentlich Nutzwert drin im Text, danke! Wobei: Was sagt man, wenn man einfach mal zuhause bleibt? Um auszuschlafen? Sachen erledigen? Familienbesuche (und höchstens nur mal ein Sparpreis-Wochenende nach Berlin oder in den Harz)? Sollte man das beschönigen – oder verschweigen? Anderes Thema: Ich hoffe, Ihr habt Euren Schirm wieder (schade, dass ein gelungener Silvesterabend so ein Ende nehmen musste …)

    • klausjanke 5. Januar 2015 / 10:58

      Würde ich nicht verschweigen, ist ja keine Schande: „Keine Zeit, bin zu wichtig, Arbeit ist mir spannend genug, brauche keine Abwechslung, bin überall gewesen“, in die Richtung. Lieber nicht: „Kein Geld“, „weiß kein Ziel“ oder „hab Angst weit weg“. Mit dem Schirm ist alles o.k. (Ende gut, alles gut).

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